Sanierung machbar, aber kaum ohne Stellenabbau (Wetterauer Zeitung)

09.12.2009

Butzbach (en). »Ich bin absolut optimistisch, dass wir es schaffen« - Reinhard Fangmeier lässt keinen Zweifel daran, dass der insolvente Verpackungsmaschinenhersteller Hassia Redatron auch nach der Phase der Zahlungsunfähigkeit noch existent ist, vielleicht sogar gestärkt aus ihr hervorgeht. Fangmeier war bis Sommer letzten Jahres Geschäftsführer des in der Schorbachstraße beheimateten Mittelstandsunternehmens, das seine Produkte in die ganze Welt liefert.

Nachdem das Unternehmen von der Piltz-Gruppe übernommen worden war, hatte sich der Manager aus der Betriebsleitung zurückgezogen, aber als Vertriebsleiter mit dafür gesorgt, dass seinen Worten zufolge 2008 in Sachen Auftragseingang das beste Jahr in der Firmengeschichte war.

Zum Jahreswechsel 2009 folgte dann die Übernahme durch die Anneröder Firma Rovema, die Fangmeier im Herbst wieder hochstufte - zum »Business Unit Manager«. Zu diesem Zeitpunkt freilich war die Zahlungsunfähigkeit schon nicht mehr zu verhindern: Hassia zahlte den noch rund 60 Mitarbeitern im Oktober schon keine Löhne mehr (wie berichtet, wurden sie kürzlich aus dem Konkursausfallgeld nachentrichtet), die Rovema mit immerhin 450 Arbeitsplätzen folgte zeitnah der »kleinen Tochter« in die Insolvenz.

Die Wirtschaftskrise sei daran nur indirekt schuld, über einen Mangel an Aufträgen brauche man sich auch jetzt noch nicht zu beklagen, betont Dipl.-Ingenieur Fangmeier im WZ-Gespräch. Doch sei der Spielraum, den die Banken gelassen hätten, enger geworden, und die Zahlungsmoral der Kunden habe sich verschlechtert.

»Wir brauchen hier einen neuen Eigentümer, der Sicherheit bringt«, betont Fangmeier. Zwischen den Zeilen schwingt Kritik am zeitweiligen Eigner Piltz in Sachen mangelndes finanzielles Engagement mit, das er auch in Worte fasst: »Bei den Aufträgen ging man damals größere Risiken ein.«

Womit Fangmeier beim eigentlichen Problem angekommen ist: »Unsere Stärken sind immer die Qualität und der Service gewesen. Die Maschinen müssen laufen. Und wenn sie mal ausfallen, muss möglichst schnell jemand da sein, der sie wieder zum Laufen bringt. Preislich können wir gegen die Konkurrenz nicht bestehen.«

Der Hauptkonkurrent aus dem europäischen Raum komme aus Italien, hier seien die die Wettbewerbsnachteile durch die EUMitgliedschaft nicht mehr von großer Bedeutung, »aber mit den Asiaten zum Beispiel können wir vom Preis her nicht mithalten«.

In einem Stimmungsbericht aus dem Betrieb hatte eine Gruppe von Beschäftigten schon Anfang November deutlich gemacht, es habe in den letzten Monaten immer mehr an der Zuverlässigkeit und am Service gemangelt. Das habe Kunden veranlasst, Maschinen nur zum Teil oder gar nicht zu bezahlen - was das Unternehmen letztlich viel Geld und auch eine gehörige Portion Image gekostet habe.

Reinhard Fangmeier ruft nun vor allem nach Sicherheit. Die Kunden müssten wieder Vertrauen fassen und die im Bau befindlichen Maschinen auch übernehmen.

Und sie müssten sicher sein können, dass bestellte Maschinen auch gebaut würden. Der Manager: »Jeder Tag Wartezeit ist für die Kunden auch bares Geld. Da fackelt man nicht lang, storniert und bestellt bei der Konkurrenz.«

Deshalb sei es wichtig, dass jetzt zügig gehandelt werde - die Mitarbeiter und Kunden müssten wissen, »wohin die Reise geht«. Sonst tue sich ein Loch auf, das von Tag zu Tag schwieriger zu stopfen sei.

Mehrere Investoren hätten Interesse an einer Übernahme von Hassia Redatron und/oder Rovema bekundet, freilich werde sich eine Sanierung kaum ohne den Abbau von Arbeitsplätzen bewerkstelligen lassen, erklärt Reinhard Fangmeier abschließend.

Die Existenz mehrerer Interessenten bestätigt Sebastian Brunner, Pressesprecher von Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner. Und er sieht auch wie Manager Fangmeier das zeitliche Dilemma. Was ihn zu dem Schluss kommen lässt, dass die Lage gewiss nicht hoffnungslos ist, dass der Teufel aber oft im Detail steckt. So bleibt er bei seiner schon vor vier Wochen geäußerten Einschätzung: »eigentlich optimistisch«.