Ex-Heros-Chef zu elf Jahren Haft verurteilt (Die Welt)

01.11.2008

Hildesheim - Der Chef des ehemals größten deutschenGeldtransportunternehmens Heros wirkt nach seiner Verurteilung gelöst - auchwenn das Landgericht Hildesheim ihn soeben für elf Jahre in Haft gesteckt hat.Karl-Heinz Weis, vor einem Monat im Gefängnis 60 Jahre alt geworden, nimmt dieStrafe gelassen hin. "Meine Eskorte ist auch schon da. Lasst unslos", sagt er zu den Justizbeamten, die ihn aus dem Gerichtssaal führen.

Dieser zweite Prozess gegen den Mann, der Heros innerhalbweniger Jahre zum Branchenprimus gemacht hatte, ist das Ende einer jahrelangenGeschichte um einen Selbstbedienungsladen für Führungskräfte. Rund 12,9Millionen Euro soll Weis gemeinsam mit dem mitangeklagten Leiter derHartgeldabteilung von Heros veruntreut haben. Laut Staatsanwaltschaft habensich die Männer mit dem Geld ein märchenhaftes Leben gegönnt, mit teurenHäusern, Dutzenden Luxuskarossen, wertvollem Schmuck und Uhren.

Von diesen Vorwürfen ist nach dem Urteil aber weniggeblieben. "Wir können Herrn Weis lediglich fünf der vorgeworfenen 38Fälle von Untreue nachweisen, darunter einen der persönlichen Bereicherung von300 000 Euro", sagt der Vorsitzende Richter der Wirtschaftsstrafkammer,Ulrich Schmidt. Deshalb komme nach der rechtskräftigen Verurteilung im Mai 2007wegen Bankrotts zu zehn Jahren nun eine Gesamtstrafe von elf Jahren für Weisinfrage.

Dabei hatte Weis das unterschlagene Geld nicht nur für sichbehalten. Gönnerhaft half er Anfang 2004 einem finanziell angeschlagenenSternekoch aus München mit einem Darlehen in Höhe von einer Million Euro aus -ohne Vertrag, ohne Rückzahlungsmodalitäten oder festgelegte Zinshöhe. Das Geldstammte vom Konto seiner Firma und gehörte eigentlich den Kunden.

"Der gleichzeitige Vermögenszuwachs der Familie Weiskonnte in diesem Verfahren aber nicht in Verbindung mit den hier angeklagtenTaten gebracht werden", führt Schmidt aus. Im Zuge der Herospleite imFebruar 2006 hat die Staatsanwaltschaft auch die Ehefrau von Weis wegenGeldwäsche angeklagt. Sie soll mehr als 700 000 Euro von einem Schweizer Kontonach Deutschland transferiert haben. Drahtzieher des ungehemmten Zugriffs aufdie Firmengelder ist nach Überzeugung des Gerichts ohnehin der Mitangeklagte.Der 50-Jährige muss wegen Untreue in 38 Fällen fünf Jahre ins Gefängnis. DerAngeklagte hatte die Möglichkeit, zuzulangen. "Und es gibt auch keineandere Erklärung für seinen plötzlichen Reichtum", erläuterte Schmidt.Mehrere Grundstücke, Wohnungen auf Sylt und bis zu 25 Autos hatte er erworben,bei einem Jahresgehalt von 46 000 Euro brutto. "Er hat sich Geld ausseinem Arbeitsbereich genommen, er wusste, dass es kein funktionierendesKontrollsystem gab", erläuterte der Richter.

Ungeklärt bleibt aber auch nach diesem Verfahren, wo dieverschwundenen Heros-Millionen geblieben sind. "Es ließ sich nichtaufklären, ob das Geld benutzt wurde, um Dritte zu bestechen oderErpressungsgelder zu zahlen", sagt der Vorsitzende Richter. Zwar sei es indiesem Prozess um 12,9 Millionen Euro gegangen, insgesamt sei aber der Verbleibvon mehr als 70 Millionen Euro nach der Heros-Pleite nicht nachvollziehbar. Ausdiesem Grund können beide Verurteilten auch nicht mit einer vorzeitigenHaftentlassung rechnen. (Martina Steffen; André Jahnke / dpa)